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Alumni Club: Lebenswege

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Eine starke Community - Der Alumni Club der Medizinischen Universität Wien

Der Alumni Club ist die Wissens-, Dialog- und Karriereplattform für alle Studierenden, AbsolventInnen sowie für aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Medizinischen Universität Wien. Ein vielfältiges Programm mit Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen, interdisziplinären Symposien und wissenschaftlichen Seminaren, Coaching-Angeboten und interessanten Kooperationspartnern, aber auch exklusiven Kulturveranstaltungen fördert die Vernetzung seiner Mitglieder. So besteht für die Clubmitglieder die Möglichkeit zur Verknüpfung von beruflicher Praxis und universitärem Dialog sowie zur Kontaktpflege sowohl untereinander als auch mit „ihrer“ Universität. Vor allem für Studierende steht der Alumni Club von Beginn des Studiums an als wichtiges Netzwerk zur Verfügung.


Lebenswege: Heinz Flamm | Hildegunde Piza-Katzer

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Alumni Club-Lebenswege mit Heinz Flamm und Hildegunde Piza-Katzer

Als Bakteriologe gelang Heinz Flamm der frühe Nachweis von Listerien beim Menschen. Als Leiter des Hygiene-Instituts etablierte er die neuen Arbeitsgebiete Krankenhaushygiene, Virologie, Lebensmittelhygiene, Parasitologie, Tropenmedizin und Spezifische Prophylaxe sowie Sozial- und Umwelthygiene.

Das Gespräch führte Wilfried Ellmeier von der Abteilung für Immunbiologie der MedUni Wien.

Hildegunde Piza-Katzer sorgte in ihrer Karriere für einige chirurgische Premieren und zeichnete zum Beispiel für eine der ersten erfolgreichen Handtransplantationen weltweit verantwortlich.

Im Gespräch mit Michaela Fritz erzählte die Ausnahmechirurgin, die als erste Frau im deutschsprachigen Raum Vorstand einer chirurgischen Universitätsklinik wurde, über ihre beruflichen und privaten "Lebenswege".  
 


Hüter der Hygiene - Heinz Flamm

Als Leiter des Hygiene-Instituts sorgte Heinz Flamm für dessen kontinuierlichen Ausbau. Als Bakteriologe gelang ihm der frühe Nachweis von Listerien. Als Beobachter der Covid-19- Situation liegt dem 91-Jährigen neben dem körperlichen auch das seelische und soziale Wohl des Menschen am Herzen.

Heinz Flamm feiert im Sommer dieses Jahres seinen 92. Geburtstag. Doch wer seine  Veröffentlichungsliste im Internet durchscrollt, stellt fest, dass er bis heute rege publiziert. Seit seiner Emeritierung 1991 befasst sich der Hygieniker mit medizinhistorischen Untersuchungen zu vergangenen Epidemien, denn: „Die Medizin baut ja auf der Geschichte unserer Vorgänger auf.“

Experimente im Bombenschutt Flamms
Forscherdrang war schon immer ein zuverlässiger Motor. Als er 1952 seine Anstellung am Hygiene-Institut unter Richard Bieling antrat, fand er dort widrigste Bedingungen vor. „Das Haus in der Kinderspitalgasse 15 hatte noch einen Bombenschaden“, erinnert er sich. „Wenn ich einen Nährboden für Bakterien gebraucht habe, bin ich in einen Raum mit Schutt gegangen. Dort habe ich so lange im Staub gestochert, bis ich einen Rest der getrockneten Algensubstanzen gefunden habe, die man zur Zubereitung braucht.“ Ganze 20 Petrischalen standen der Abteilung zur Verfügung. Die mussten reihum immer wieder ausgewaschen, desinfiziert und sterilisiert werden. Das Gas für die bakteriologischen Arbeiten lief nur zwischen 10 und 12 Uhr. Auch die Telefonleitungen waren nur zu bestimmten Zeiten offen – bis dahin mussten die Testergebnisse für die Spitäler bereit sein. „Es musste gehen, und es ging“, sagt Flamm.

Nachweis der menschlichen Listerose
1954 gelang es Flamm als einem der Ersten, Listerien beim Menschen nachzuweisen. Kurz
zuvor war dies auch Wissenschaftern in der DDR und der BRD gelungen. „Wir drei waren in
Europa diejenigen, die an der Listerose gearbeitet haben. Bis dahin war diese  Infektionskrankheit nur bei Tieren beschrieben worden. Vor allem für Schwangere war unsere Arbeit wesentlich, denn Listerose geht auf den Embryo über.“ Flamms Einsatz war nicht unbemerkt geblieben. Gleich nach seiner Promotion 1953 hatte man dem jungen Mann mit Mitte 20 die Leitung der bakteriologischen Abteilung angetragen. Von 1965 bis 1991 leitete er schließlich das Hygiene- Institut der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. In seiner Amtszeit etablierte er die neuen Arbeitsgebiete Krankenhaushygiene, Virologie, Lebensmittelhygiene, Parasitologie, Tropenmedizin und Spezifische Prophylaxe, Sozial- und Umwelthygiene und schuf Ordinariate für sie.


Aus Liebe zum Hand-Werk - Hildegunde Piza-Katzer

Hildegunde Piza-Katzer nahm neugierig die zahlreichen Herausforderungen an, die ihr das Leben bot, und sorgte dabei für einige chirurgische Premieren.

Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, sagt Aus-nahmechirurgin Hildegunde Piza-Katzer heute. Ihrem Vater zuliebe, der Arzt und Chirurg war, schlug sie ihren Weg in die Medizin ein. „Ich habe mich immer für vieles interessiert und hätte auch nichts dagegen gehabt, Handwerkerin zu werden.“ Und im Grunde wurde sie das ja auch: Hände sind ihr Spezialgebiet, vielen Kindern und Erwachsenen schenkte sie durch die Operation ein Stück Lebensqualität. Ihr spektakulärster Fall schrieb Medizingeschichte: 2000 transplan-tierte sie als Vorständin der Klinik für Plastische Chirurgie in Innsbruck gemeinsam mit einem großen Team dem Polizisten und Rohrbomben-opfer Theo Kelz beide Hände – der erste erfolg-reiche Eingriff dieser Art in Österreich und der zweite weltweit.

Vieles in ihrer Karriere habe sich ergeben. Bescheiden sagt sie: „Das Leben besteht aus Zufällen.“ Nach ihrer Promotion 1965 in Graz bewarb sie sich für eine zweimonatige Stelle in Salzburg auf der Chirurgie, um die Festspiele erleben zu können. „Eines Tages fragte mich die OP-Schwester, ob ich nähen kann. Es war Not am Mann, und so startete ich meine Facharzt-ausbildung in Chirurgie.“

1970 beschloss sie, mehr Richtung Konstruk-tive Chirurgie zu gehen, und bewarb sich als erste Frau an der Chirurgie I am Wiener AKH, wo sie ihre chirurgische Ausbildung abschloss. Hanno Millesi, der sich mit der Mikro-Nerven-chirurgie einen Namen gemacht hatte, nahm sie ins Team auf – der Start in die experimentelle Mikro- Gefäßchirurgie. Mit dem europaweit ers-ten Replantationsdienst brach 1974 im AKH Wien eine neue Ära der rekonstruktiven plastischen Chirurgie an. 1983 erhielt sie die Lehrbefugnis in der Plastischen Chirurgie.