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Gedenkstunde am "Mahnmal gegen das Vergessen"

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Eine Gedenkstunde beim "Mahnmal gegen das Vergessen" stand am Beginn des Tages der Medizinischen Universität Wien.

Es sprachen Rektor Markus Müller, Israels Botschafter Mordechai Rodgold, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch und Christiane Druml, UNESCO-Professorin für Bioethik. Oberkantor Shmuel Barzilai hat die Veranstaltung gestaltet.


Gedenkstunde am "Mahnmal gegen das Vergessen"

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Denkmal gegen das Vergessen

Enthüllung Mahnmal 2008
Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg (links) und Kardinal Christoph Schönborn (rechts) enthüllten das Mahnmal.

Die Mitverantwortung von Mitgliedern der Wiener universitären Medizin an Unrechtshandlungen in und außerhalb der Universität Wien ist jahrzehntelang verschwiegen, wenn nicht geleugnet worden.

Es wurde verschwiegen, dass – beginnend bereits mit 11. März 1938 - 53% des Lehrkörpers der damaligen Fakultät aus "rassischen", aber auch aus politischen Gründen entlassen oder aus ihren Ämtern vertrieben wurden, dass diese Vertreibung oft mit Verbannung, Exil oder Tod verbunden war, dass damit eine Fakultät, die eine der größten in Europa, vor allem aber eine der exzellentesten des Kontinents war, irreparabel geschädigt wurde.

Vor allem wurde verschwiegen, dass die Rolle der ÄrztInnen
im Nationalsozialismus, an der auch österreichische ÄrztInnen beteiligt waren, den  schwersten Schlag charakterisiert, den die Medizin in ihrer Geschichte erlitten hat, dass der gesamte Berufsstand von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen war, dass die medizinische Ethik politischen Heilslehren hat weichen müssen.

Erst 1998, 60 Jahre nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, hat die damalige Medizinische Fakultät - anlässlich einer ebenfalls an einem 13. März stattgefundenen Gedenkveranstaltung - ihre Mitverantwortung eingestanden und bestürzt und mit  Schamgefühl sich der brutalen Vertreibung des größeren Teils der Fakultätsmitglieder erinnert.

Aus diesem Anlass wurde 1998 in den Arkaden der Universität Wien an prominenter Stelle eine Gedenktafel platziert, für deren Zustandekommen wir auch dem damaligen und  zwischenzeitlich verstorbenen Rektor Alfred Ebenbauer zu Dank verpflichtet sind.

Zehn Jahre später setzt die inzwischen zu einer eigenen Universität gewordene frühere Medizinische Fakultät an ihrer neuen Wirkungsstätte nun ihr eigenes Mahnmal zum Gedenken an die Vertriebenen.

Rektor Emeritus Wolfgang Schütz anlässlich der Enthüllung des Denkmals am 13.03.2008:

"Es war Jahrzehnte lang Tabu, dass Österreich seine Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus eingesteht. Auch an den Universitäten blieb dieses Buch der Mitverantwortung geschlossen. An der Medizinischen Fakultät der Universität Wien wurde es erst Ende der Neunzigerjahre, 60 Jahre nach dem Anschluss, wieder aufgeblättert. Denn jeder soll sehen, was niemals verdeckt und niemals mehr vergessen werden darf. Das am 13. März enthüllte Denkmal in Form eines Buches steht dafür als Mahnung für kommende Zeiten."


Neue Forschungen zum Pernkopf-Atlas für Anatomie

Bei der geschichtlichen Aufarbeitung des Pernkopf-Atlas im Jahr 1998 stellte eine ExpertInnenkommission der Universität Wien fest, dass hingerichtete Opfer der NS-Justiz aller Wahrscheinlichkeit nach als Vorlage für die anatomischen Zeichnungen dienten. Das anatomische Institut in Wien erhielt damals die toten Körper von mindestens 1.377 hingerichteten Personen, darunter auch viele Mitglieder des Widerstands gegen das NS-Regime.

Originalzeichnungen sowie weitere Materialien dieses berühmten Atlas für Anatomie wurden nun vom Wissenschaftsverlag Elsevier an die Sammlungen der Medizinischen Universität Wien (Josephinum) übergeben. Dadurch sollen fachgerechte Archivierung, Konservierung und Digitalisierung, sowie die Zugänglichkeit vor allem für die zeitgeschichtliche Forschung gewährleistet werden.

Die MedUni Wien sieht sich als nunmehrige Eigentümerin der Pernkopf-Sammlung in der Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Entstehungsgeschichte gemeinsam mit HistorikerInnen und ExpertInnen weiter offenzulegen.

Mehr Informationen in einer Newsmeldung und in der wissenschaftliche Publikation in “Annals of Anatomy”: „The Medical University of Vienna and the legacy of Pernkopf’s anatomical atlas: Elsevier’s donation of the original drawings to the Josephinum”